Darm mit Charme – dem Aus­nah­me­or­gan auf der Spur

Der Best­sel­ler „Darm mit Charme“ von Giu­lia und Jill End­ers betrach­tet die mensch­li­che Ver­dau­ung unver­blümt und mit viel Humor. Am 04. Dezem­ber star­te­te die gleich­na­mi­ge Son­der­aus­stel­lung in der expe­ri­men­ta; sie ist erst­mals in Deutsch­land zu sehen. Bis zum 01. Mai 2022 kann sich das Publi­kum dort auf eine kurio­se Rei­se durch den mensch­li­chen Kör­per begeben. 

Für die Gesund­heit, das Immun­sys­tem und das Wohl­be­fin­den spielt der Darm eine sehr wich­ti­ge Rol­le. Mit der Viel­falt an Mikro­or­ga­nis­men, die hier leben, ist der Darm eines jeden Men­schen so ein­zig­ar­tig wie sein Fin­ger­ab­druck. Trotz­dem fand das Organ lan­ge Zeit wenig Beach­tung. Geän­dert hat sich das mit dem Best­sel­ler „Darm mit Charme“ von Giu­lia und Jill End­ers, die mit ihrem Buch einen wich­ti­gen Bei­trag zum Image­wech­sel vom unter­schätz­ten zum Aus­nah­me­or­gan geleis­tet haben.

Ein unter­schätz­tes Organ rückt in den Mittelpunkt

Bei der Aus­stel­lung „Darm mit Charme. Die kurio­se Welt im Bauch“ erfah­ren die Besu­che­rin­nen und Besu­cher mehr über das lan­ge ver­nach­läs­sig­te Organ. Die Schwes­tern Giu­lia und Jill End­ers waren bei der Kon­zep­ti­on direkt betei­ligt. Wäh­rend die text­li­che Beglei­tung aus der Feder von Giu­lia End­ers stammt, über­neh­men die Zeich­nun­gen von Jill End­ers – wie bereits im Buch – die gestal­te­ri­sche Haupt­rol­le. Das Ergeb­nis ist eine eben­so lehr­rei­che wie unter­halt­sa­me Rei­se durch das Inne­re des Men­schen ent­lang der Fra­ge, was pas­siert, sobald Nah­rung in den Kör­per gelangt. „Gute Wis­sen­schafts­kom­mu­ni­ka­ti­on ist frei von Angst oder Scham. Das war uns immer wich­tig – auch beim Beglei­ten der Aus­stel­lung“, beschreibt Giu­lia End­ers ihre Inten­ti­on. „Zu sehen, wie das Buch im Sci­ence Cen­ter zum Leben erwacht, anfass­bar und drei­di­men­sio­nal wird, hat uns sehr gereizt“, ergänzt Jill Enders.

Die Aus­stel­lung ist in drei Abschnit­te geglie­dert: Der ers­te Teil ist eine Tour durch die Ver­dau­ung, bei der die Ver­dau­ungs­or­ga­ne und ihre Funk­tio­nen vor­ge­stellt wer­den – vom Mund bis zum Anus. Im zwei­ten Teil steht die Welt der Mikro­ben,also die Gesamt­heit aller Mikro­or­ga­nis­men im Darm, im Fokus. Das drit­te gro­ße The­men­feld ist dem Wohl­be­fin­den des Darms gewid­met und zeigt Wege auf, wie das per­sön­li­che Mikro­bi­om, auch bekannt als Darm­flo­ra, erhal­ten und täg­li­che Ess­ge­wohn­hei­ten ver­bes­sert wer­den können.

Auf einer Flä­che von rund 750 Qua­drat­me­tern wech­seln sich zahl­rei­che Mit­mach­sta­tio­nen mit Fil­men ab, ech­te Orga­ne sind genau­so zu sehen wie Magnet­re­so­nanz­to­mo­gra­phie (MRT)-Aufnahmen. Ent­wi­ckelt wur­de die Aus­stel­lung von der Cité des sci­en­ces et de l’industrie in Paris in Koope­ra­ti­on mit dem fin­ni­schen Sci­ence Cen­ter Heu­re­ka sowie dem Tech­nik- und Wis­sen­schafts­mu­se­um Pavil­hão do Con­he­ci­men­to – Ciên­cia Viva in Lissabon.

Hin­ein in den Verdauungstrakt!

Im Ein­gang der Aus­stel­lung „ver­schluckt“ ein rie­si­ger Mund das Publi­kum, das sich von hier aus auf eine Ent­de­ckungs­rei­se durch den Ver­dau­ungs­trakt begibt. Wo genau ver­läuft die Spei­se­röh­re, wo lie­gen Magen, Dick- und Dünn­darm im Bauch? Anhand zwei­er kopf­lo­ser Sil­hou­et­ten kön­nen Erwach­se­ne wie Kin­der nach­voll­zie­hen, wo die Orga­ne bei ihnen ver­or­tet sind. Zwei Fil­me, die mit MRT und durch Rönt­gen auf­ge­nom­men wur­den, gewäh­ren fas­zi­nie­ren­de Echt­zeit­ein­bli­cke in den Ver­dau­ungs­pro­zess. Ein wah­res Wun­der­eli­xier steckt in einem alten Apo­the­ker­schrank: der Spei­chel. Einen Liter Spu­cke pro­du­ziert der Mensch am Tag. Dem Spei­chel kommt dabei nicht nur bei der Nah­rungs­auf­nah­me und der Ver­dau­ung eine wich­ti­ge Auf­ga­be zu. Wel­che Super­kräf­te er noch hat, erfah­ren Jung und Alt bei „Darm mit Charme“ eben­so wie den Grund, war­um man leich­ter rülpst, wenn man auf der lin­ken Sei­te liegt.

Das unmit­tel­ba­re Erle­ben spielt eine wich­ti­ge Rol­le in der Aus­stel­lung: Auf einer inter­ak­ti­ven Wand kön­nen die Besu­che­rin­nen und Besu­cher eine Nah­rungs­mit­tel­all­er­gie aus­lö­sen oder beim Füt­tern einer Figur beob­ach­ten, was im Mund und Darm – vom Kau­en bis zur Aus­schei­dung – so alles pas­siert. Zum Stau­nen ist ein Seil, das den Dick- und Dünn­darm in kom­plet­ter Län­ge dar­stellt und ihre Dimen­sio­nen beim Aus­rol­len sicht­bar macht. Auf der Toi­let­te schließ­lich ist alles eine Fra­ge der Hal­tung. Wie die idea­le Posi­ti­on aus­sieht, erfährt man beim Pro­be­sit­zen in der WC-Nische. Ohne Scham, dafür mit viel Charme und im gewohnt humor­vol­len Ton der End­ers-Schwes­tern erklärt die Aus­stel­lung den Mecha­nis­mus der Schließ­mus­keln. Auch die unter­schied­li­chen Aus­prä­gun­gen des Stuhl­gangs wer­den nicht ver­heim­licht. Schließ­lich lie­fern Form, Far­be und Kon­sis­tenz vie­le nütz­li­che Infor­ma­tio­nen über unse­re Ver­dau­ung und mög­li­che Krankheiten.

Klein, aber oho: Bak­te­ri­en im Darm 

Im zwei­ten Teil der Aus­stel­lung rücken win­zi­ge Lebe­we­sen in den Mit­tel­punkt, ohne die Ver­dau­ung gar nicht mög­lich wäre: die Bak­te­ri­en. Gemein­sam mit Viren, Hefen und Pil­zen bil­den sie das Mikro­bi­om, bes­ser bekannt als Darm­flo­ra. Die­se ver­ar­bei­tet nicht nur Nah­rung, son­dern kom­mu­ni­ziert auch mit dem Gehirn sowie dem Immun- und Ner­ven­sys­tem und sorgt für ein gesun­des Gleich­ge­wicht im Kör­per. In einem der Darm­wand nach­emp­fun­de­nen Raum taucht das Publi­kum in die­sen ein­zig­ar­ti­gen Mikro­kos­mos ein.

Auf einem inter­ak­ti­ven Bild­schirm stel­len sich unter­schied­li­che Darm­bak­te­ri­en vor. Sie erzäh­len ihre Geschich­te und ob sie eine gute oder böse Rol­le – oder sogar bei­de – im mensch­li­chen Kör­per ein­neh­men. Der Mikro­bio­m­tisch lädt ein, ver­blüf­fen­de Zah­len zu erfah­ren: Kaum vor­stell­bar, dass sich in nur einem ein­zi­gen Gramm Exkre­ment mehr Bak­te­ri­en befin­den, als Men­schen auf der Erde leben. Wie unter­schied­lich dabei die Mikro­or­ga­nis­men in Grö­ße, Far­be, Form und Beschaf­fen­heit sind, ler­nen die Besu­che­rin­nen und Besu­cher anhand von Model­len zum Anfas­sen kennen.

Vie­les von dem, was über den Darm und sei­ne win­zi­gen Bewoh­ner bekannt ist, ver­dan­ken die Men­schen der Wis­sen­schaft. Doch wie kom­men For­sche­rin­nen und For­scher zu ihren Erkennt­nis­sen? In einem Aus­stel­lungs­la­bor wer­den ver­schie­de­ne Instru­men­te und ver­ein­fach­te For­schungs­pro­to­kol­le vor­ge­stellt. Wer will, kann in dem Aus­stel­lungs­teil so selbst in die For­scher­rol­le schlüpfen.

Von Sau­ber­keit und guten Bakterien

Zwar ber­gen der Darm und sein Mikro­bi­om noch vie­le Geheim­nis­se, doch über eines ist sich die Wis­sen­schaft einig: Das Wohl­be­fin­den, kör­per­lich wie psy­chisch, ist stark von einem gesun­den Darm abhän­gig. Im letz­ten Teil der Aus­stel­lung erhal­ten die Besu­che­rin­nen und Besu­cher daher wert­vol­le Tipps, wie sie ihre Darm­flo­ra in Balan­ce hal­ten und durch bestimm­te Lebens­mit­tel pfle­gen kön­nen. In einem mul­ti­me­dia­len Spiel kann man ver­schie­de­ne Lebens­mit­tel „ein­kau­fen“ und dabei her­aus­fin­den, wie vie­le Bal­last­stof­fe sie ent­hal­ten. Bal­last­stof­fe, wie sie in Voll­korn­pro­duk­ten, Obst und Gemü­se vor­kom­men, stär­ken und schüt­zen das Mikro­bi­om. An einer ande­ren Sta­ti­on erhält das Publi­kum prak­ti­sche Rat­schlä­ge, wie man sinn­voll putzt. Denn über­trie­be­ne Hygie­ne ver­rin­gert die nütz­li­che bak­te­ri­el­le Arten­viel­falt, die uns über­all umgibt und schützt.

Das Mikro­bi­om eines jeden Men­schen ist ein­zig­ar­tig. Doch wann ent­wi­ckelt sich das Mikro­bi­om im Kör­per? Auf wel­che Wei­se ver­än­dert es sich und war­um? Auf­schluss gibt ein Film, der eigens für die Aus­stel­lung gedreht wur­de. Ein wei­te­rer Film betrach­tet neue medi­zi­ni­sche For­schun­gen und zeigt, wie Men­schen gehol­fen wer­den kann, deren Mikro­bi­om stark geschä­digt oder geschwächt ist. Auch wenn hier noch viel For­schung nötig ist, wird deut­lich, wel­che hei­len­den Kräf­te die Bak­te­ri­en im Darm haben und was in Zukunft mit ihrer Hil­fe alles mög­lich sein könnte.

Wel­che Rol­le spie­len Bak­te­ri­en im Darm bei chro­ni­schen Krank­hei­ten wie Mor­bus Crohn oder der Krebs­ent­ste­hung? Die­ser Fra­ge geht der Ernäh­rungs­wis­sen­schaft­ler Prof. Dr. Dirk Hal­ler in sei­ner For­schung nach. Bei der Robert May­er Lec­tu­re am 15. Febru­ar 2022 um 19.30 Uhr spricht der Pro­fes­sor für Ernäh­rung und Immu­no­lo­gie der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät Mün­chen über „Wir sind nicht allein. Wie Mikro­ben im Darm unser Leben beeinflussen“.

Öff­nungs­zei­ten und Preise

Die Son­der­aus­stel­lung „Darm mit Charme“ ist vom 04. Dezem­ber 2021 bis 01. Mai 2022 im Sci­ence Cen­ter expe­ri­men­ta in Heil­bronn zu sehen. Sie ist mon­tags bis frei­tags von 9:00 bis 17:00 Uhr, an Wochen­en­den und Fei­er­ta­gen von 10:00 bis 18:00 Uhr geöff­net. Die Son­der­aus­stel­lung ist im Ein­tritts­preis der expe­ri­men­ta ent­hal­ten, kann aber auch ein­zeln gebucht wer­den. Dann kos­tet ein Ticket für Erwach­se­ne 7,00 Euro und ermä­ßigt 4,00 Euro.